Charity-Projekt Waisenhaus Bali

Dezember 2009

Als letzte Aktion des Batches 22 wurde ein Projekt in der näheren Umgebung unterstützt.

Im Dezember fuhren wir mit 15 Mitgliedern der Charity Gruppe nach Kuta. Hier befindet sich in der Umgebung des Touristenzentrums Balis das Waisenhaus Grace Foundation, (Yayasan „Kasih Karunia“). Dieses christliche Waisenhaus kümmert sich um Straßenkinder und Kinder armer Familien, die in Slums in den Hinterhöfen von Kuta wohnen. Durch den Reichtum der Touristengegend kommen arme Familien und Straßenkinder aus ganz Bali und Java nach Kuta in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden und ein besseres Leben zu haben. Allerdings scheitern viele daran, die Leidtragenden sind meist die Kinder.

Das von uns unterstützte Kinderheim beherbergt 15 Straßenkinder und betreut zusätzlich rund 40 Kinder aus der Umgebung zwischen drei und 18 Jahren mit einem „Kindergarten“, Nachmittagsschule und versorgt die Kinder mit Essen und Schulmaterial. Finanziert wird die Einrichtung durch Spenden aus dem In- und Ausland und freiwilligen Helfern (westlichen und indonesischen Lehrern). Die Einrichtung wird christlich geführt, jedoch steht sie Kindern aller Religionen offen. Das Heim ist vorbildlich organisiert und schafft es, Kindern, die sonst zum Betteln auf die Straße geschickt werden, eine Ausbildung zu ermöglichen und gleichzeitig etwas Kindheit zurückzugeben.

Nach einer Inspektion des Heimes Anfang Dezember durch Mitglieder der Charity-Gruppe konnte erheblicher Bedarf an Schulmaterial, Büchern, Lebensmitteln und Spielsachen festgestellt werden. Des Weiteren gab es am Gebäude und bei der Ausstattung des Klassenzimmers erhebliche Mängel. Das Erdbeben auf Bali im September hat die Decke des Klassenzimmers zerstört, die Deckenplatten hingen lose herunter und waren eine Gefahr für die lernenden Kinder. Die Schreibtafel war nicht mehr funktionsfähig, es gab nicht genügend Schultische und -bänke für alle Kinder, so dass diese auf dem Boden sitzen mussten. Auch die Zimmer waren baufällig und schmuddelig. Die monatliche Versorgung mit Lebensmitteln war nicht gesichert. Aus diesem Grund haben wir eine große Menge an Schulbüchern und Lernspielen für Kinder jeden Alters sowie Schreibhefte, Stifte und Malsachen besorgt. Eine große Ration an Lebensmitteln (Reiß, Nudeln,Öl, Bananen) sollte die Lebensmittelversorgung für zwei Monate unterstützen.

Die Einkaufsfahrt hierfür war zwar sehr anstrengend aber ein Erlebnis an sich, weil ein ganzer Kleinbus voller Kinder des Heimes uns tatkräftig „unterstützte“. Glücklicherweise war zur selben Zeit eine Gruppe australischer Freiwilliger dabei, das Kinderheim zu renovieren. Für den neu gestalteten Klassenraum konnten wir aus unserem Budget ein neues Whiteboard (Schreibtafel) mit Stiften beisteuern, zusätzlich haben wir von einem Handwerker die vom Erdbeben zerstörte Decke erneuern lassen. Um die Kapazitäten des Kindergartens zu vergrößern, wurden bei einem Schreiner vier neue Schultische und zwölf passende Stühle (in Miniaturgröße für die kleinen Kinder) in Auftrag gegeben, welche in den kommenden Tagen fertig gestellt werden sollten.

Um auch selbst mit den Kindern in Kontakt zu kommen und diese mit dem Umgang mit „Bule“ (Weiße) vertraut zu machen, wurde die Übergabe mit einem Spielenachmittag verbunden. So konnten wir gleich unsere Indonesischkenntnisse am Ende des Semesters sowie die Englischkenntnisse der Kinder testen. Es wurden verschieden Spielgeräte, die wir besorgt haben mit den Kindern zusammen getestet, wobei die Badmintonausrüstung und und vor allem die Hulla-Hoop-Reifen besonders beliebt waren. Hier zeigten die Kinder bei Wettbewerben gegen uns ihr großes Geschick. Im Anschluss wurden mit den Kindern zusammen Namens- und Beschriftungsschilder gemalt, die später laminiert und aufgehängt wurden. Auf dem Schild für das Büro stand beispielsweise das indonesische Wort „Kantor“ sowie darunter das englische Wort „Office“. Somit haben die Kinder ständig diese Wörter vor Augen und können so ihren Englischwortschatz verbessern.

Die Begeisterung und die Freude der Kinder waren unbeschreiblich groß, die Kinder präsentierten am Abend stolz ihre Werke. Auch die Bücher wurden bei der Übergabe mit großer Freude inspiziert. Diese waren Lernbücher für Kinder jeden Alters. Die meisten Kinder haben solche Bücher noch nie in der Hand gehabt und waren erstaunt über die schönen Bilder. Ein Junge meinte, es sei „viel schöner und interessanter etwas über das Funktionieren einer Lokomotive zu lesen, als immer nur die Wörter der Lehrerin zu wiederholen“.

Nach einem schönen und lustigen Nachmittag, gemeinsamen „Mie Goreng“ und das Anstecken der „Education for Indonesia“ Buttons an die verantwortlichen Personen, gingen wir mit einem guten Gefühl nach Hause. Das Heim konnte in den darauf folgenden Tagen noch mit weiteren Sach- und Kleiderspenden internationaler Studenten der Udayana University unterstützt werden. Bei einem weiteren Besuch konnten wir uns nochmals von dem endgültigen Ergebnis der Renovierung und der Verwendung unserer Materialien überzeugen, was uns sehr überzeugte.

Allerdings mussten wir auch feststellen, dass die von uns bestellten Tische leider nicht der erhofften stabilen Qualität entsprachen. Eine längere Diskussion mit dem Handwerker, bei der wir versuchten mit unseren neu gelernten interkulturellen Kenntnissen das Problem möglichst „asiatisch“ zu lösen, führte zu einer Nachbearbeitung und somit Verbesserung der Qualität. Dies gab uns die Erkenntnis, dass man in Asien durchaus mit unterschiedlichen Qualitätsvorstellungen zu kämpfen hat, diese Probleme aber mit dementsprechendem interkulturellen Verhalten und Management auch gelöst werden können, was eine wichtige Erfahrung war.

Die Mittel für diese Aktion stammen aus verschiedenen Charity-Veranstaltungen (Fußballtunier, Charity-Party), Spenden der Studenten sowie von „Education forIndonesia e.V.“.

Vielen Dank allen Helfern und Spendern in Indonesien und in Deutschland, die dieses erfolgreiche Projekt ermöglicht haben. Mit der Hilfe konnte die Ausbildungssituation von 65 Kindern in Indonesien verbessert und sowohl den indonesischen Kindern, als auch den westlichen Studenten neue wichtige Erfahrungen ermöglicht werden.

Terima Kasih – Thank you – Danke!!!